Geigenbauer Felix Scheit & Kevin Gentges

Modellreihe nach Gasparo da Salò

Nur kurze Zeit nachdem in Oberitalien zum ersten Mal die Stimme der Viola zum Leben erwachte, prägte sich in den Modellen Gasparo Bertolottis, genannt da Salò (1540-1609), die Urform der modernen Bratsche aus. Noch zu Lebzeiten des Meisters erreichten und beeinflussten die Instrumente aus seiner Werkstatt in Brescia wichtige kulturelle Zentren des Barock. Mit ihrem ersten Erscheinen tritt ein neues Klangbild in das Musikleben Europas ein, das - trotz des historischen Wandels von Spielweise und Aufführungspraxis - bis heute unsere Imaginationen anleitet und unsere Vorstellungen inspiriert.

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Gasparo da Salò 1560


Wie bei vielen der von Gasparo erhaltenen Modelle entspricht die historische Originalgröße des gezeigten Instrumentes (1560c) in etwa der Mensur der französischen Taille innerhalb der Violen-Familie, wie sie im 17. Jahrhundert u.a. von den 24 Violons du roi in Versaille verwendet wurde. Sie übernahm die mittlere der drei durch Violen verschiedener Größe besetzten Mittelstimmen (hautes-contre, 37,5 cm; taille, 45 cm; quintes, 52,5 cm; alle in der Stimmung c-g-d'-a'). Auch unter dem Einfluss der neuartigen überlegenen Klangeigenschaften der Geigen aus Oberitalien blieb schließlich nur der alto-Part für die Viola übrig, taille und quinte fielen mit dem musikhistorischen Übergang zum 4-stimmigen 'italienischen' Satz hinweg.

In den erhaltenen Instrumenten Gasparos haben wir zukunftsweisende plastische Grundrisse für unsere eigene gestalterische Arbeit an Form und Klang. Die Entwicklung eines zeitgemäßen Bratschen-Modells erfordert weitaus mehr als das bloße schablonenhafte Abnehmen der äußeren Maße vom Originalinstrument. Folgerichtige Erforschung und Weiterführung der Skulptur des Klangs und der historischen Architektonik von Form und Material sind Grundvoraussetzungen für unsere Arbeit auf der Basis eines Originals.

Als ein Erbe aus ihrer Geschichte variiert die Viola noch heute in ihren Größenabmessungen und Klangeigenschaften weitaus mehr als Cello und Violine. Klangfarbenreichtum und hervorragende Mischfähigkeit im Ensemblespiel waren wohl schon für die sogenannten 'Erfinder' der Geigenfamilie entscheidende Leitgedanken bei ihren Entwürfen zum Violabau. Ihr einzigartiges sonores Timbre bei tragfähigem obertonreichen Klang zeichnet gerade die Instrumente Gasparos aus. Diese Instrumente sind auf ausgeprägte Trennschärfe und Durchlässigkeit im kammermusikalischen und solistischen Spiel hin ausgelegt, wie sie im modernen Konzertleben unserer Tage unabdingbar geworden sind.