Geigenbauer Felix Scheit & Kevin Gentges

Modelle nach Stradivari


I.

Fast zeitgleich mit dem ersten europaweiten Durchbruch der virtuosen Solo-Violine in den Concerti musicali (op. 6., 1698) sowie in der Folge den 6 Konzerten für Violine solo (op. 8, 1708) durch Giuseppe Torelli, vollzog sich in den Experimenten des 40-jährigen Antonio Giacomo Stradivari (ca. 1648-1737) ein epochemachender Schritt in der Geschichte des Geigenbaus. Sein neu konzipierter Entwurf, genannt langes Modell in Abgrenzung zu der bis dahin gebräuchlichen Form des traditionellen Amati-Modells, entwickelte sich fortan zu einem der meist kopierten Instrumententypen der Musikgeschichte.

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Antonio Stradivari 1730

II.

Angeregt durch die spieltechnischen Errungenschaften eines Francesco Maria Veracini (1690-1750) und die Gründung der europaweit ausstrahlenden Musikschule Giuseppe Tartinis (1692-1770) unternahm Stradivari in seinem letzten Lebensjahrzehnt eine erneute Revision seines bisherigen Schaffens. So beobachten wir bei den Werken aus dieser späten Schaffensphase häufig die Rückkehr zu einer relativ schnell ansteigenden und hohen Wölbung und einem dunkler abschattierenden Ton von intensiver Wärme. Die von Kolja Blacher gespielte Geige von 1730 ist ein hervorragendes Beispiel für diese Entwicklung und ein wichtiges Vorbild für unsere Arbeiten.

Modelle nach Guarneri

Guarneri del Gesu (1698-1744) verlieh mit zunehmendem Lebensalter den einzelnen von ihm geschaffenen Violinen immer höhere Individualität. Einer dieser ausgeprägten Charaktere ist das berühmte Instrument „Leduc“ (welches u.a. von Henryk Szeryng gespielt wurde) - wahrscheinlich eine der letzten Geigen aus Guarneris Hand. Wie viele der späten Geigen von Guarneri zeichnet sich das Instrument durch eine leicht spitzer zulaufende, höhere Wölbung aus, die im Mittelbereich eine etwas dünnere Materialstärke aufweist, als dies noch bei seinen Werken früherer Jahre der Fall war (etwa der „Cannone“, die durch Niccolò Paganini zur Legende wurde).

Modelle nach Guadagnini

Auch Giovanni Battista Guadagnini (1711-1786), der in etlichen italienischen Geigenbauzentren lebte, arbeitete und lernte, ließ die vielseitigen Einflüsse und Erkenntnisse, welche er während seines unsteten Lebens aufnahm, in seinen Spätstil einmünden. Nachahmenswert aufgrund seiner klanglichen Exzellenz erscheint uns insbesondere eines seiner Turiner Spätwerke (gespielt von Thomas Brandis). Es besitzt breite Ober- und C-Bügel bei relativ klein gehaltenem Unterbügel; seine Bodenwölbung ist extrem flach geführt (ca. 11mm).